Letztens kam meine Kollegin in unser gemeinsames Büro.
Sie entschuldigte sich dafür, dass sie ihre Schuhe neben meinem Schreibtisch stehen gelassen hatte.
Ich antwortete:
„Alles gut!“
Sie hielt kurz inne und meinte, dass dieses „Alles gut!“ für sie inzwischen schwer auszuhalten sei.
Je nach Situation wirke es auf sie wie eine Beschwichtigung. Oder so, als würde man etwas abtun.
Ihre Reaktion brachte mich ins Nachdenken.
Darüber, wie schnell wir zu vertrauten Aussagen greifen.
Und wie wenig wir dabei manchmal prüfen, was wir eigentlich sagen.
„Passt schon“, wenn wir keine Lust mehr haben, weiter zu reden.
„Schon ok“, wenn wir nicht mehr für etwas einstehen wollen.
„Schau ma mal“, wenn wir keine Entscheidung treffen möchten.
War für mich in diesem Moment wirklich alles gut?
Ehrlich gesagt war ich kurz irritiert.
Ich fragte mich, warum die Schuhe nicht bei ihrem Schreibtisch standen.
Gleichzeitig wusste ich: Ich habe keine fixen Bürotage. Sie rechnete wohl nicht mit mir.
Und umgekehrt lege ich meine Jacke auch auf ihren Sessel, wenn sie nicht da ist.
In diesem Fall war es für mich tatsächlich in Ordnung.
Nicht, weil ich mich zurückgenommen habe.
Sondern weil ich verstanden habe, wie es dazu kam.
Trotzdem ist etwas hängen geblieben.
Wie schnell „Alles gut!“ über meine Lippen kommt.
Und wie selten ich mir den Moment nehme zu prüfen, ob das wirklich stimmt –
oder ob ich es sage, um keinen Stress zu machen.
Vielleicht wäre es manchmal ehrlicher, kurz stehen zu bleiben.
Nicht anklagend.
Sondern fragend.
Und vielleicht beginnt es genau dort:
zu merken, wann ich mich zurücknehme, um es für alle angenehm zu halten.
Und wie ist das bei dir?
Ist bei dir gerade wirklich alles gut?








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