Als ich begann, im palliativen Bereich zu arbeiten, erkannte ich rasch, dass Patient:innen und ihre An- und Zugehörigen oft weniger brauchen, als wir glauben.

Zu Beginn war ich auf der Suche nach den „perfekten Worten“. Oder nach etwas, das ihnen noch helfen könnte.
Einen zweiten Polster? Eine bestimmte Musik? Vielleicht ein spezielles Getränk?

Tatsächlich benötigten sie oft nichts davon.
Und als ich aus meiner eigenen Unbeholfenheit ausstieg, wagte ich es einmal, nichts zu tun.

Das sah so aus, dass ich eine Stunde lang einfach im Zimmer mit den Angehörigen saß. Wir sprachen kaum miteinander.
Aber ich war vollkommen da.
Meine Gedanken waren im Hier und Jetzt. Mein Herz schlug für diesen Augenblick. Und ich versetzte mich bewusst in ein Gefühl von Geborgenheit.

Am nächsten Tag bedankte sich die Frau des Patienten für meine Präsenz.

Ein paar Tage später beobachtete ich mich in einem Gespräch mit einer Freundin. Sie erzählte mir von einem Vorfall, der sie sehr aufgebracht hatte. Reflexartig wollte ich ihr von einer ähnlichen Geschichte erzählen, die mir selbst einmal widerfahren war. Davon, wie ich das damals gelöst hatte. Schließlich würde ihr das helfen – und sie müsste nicht das durchmachen, was ich erlebt hatte, bevor ich die Lösung gefunden hatte.

Ich biss mir auf die Zunge und ließ sie weiterreden.

Als später eine längere Pause entstand, sah sie mich verwundert an.
„Du sagst ja gar nichts dazu.“

Nein, ich hatte nichts gesagt.
Aber ich hörte ihr zu.

Dazu gehörte auch, meinen Kopf zum Schweigen zu bringen. Denn er hatte bereits mehrere Ideen ausgespuckt, wie ich ihr helfen und wie wir das Problem lösen könnten.
Doch die eigentliche Frage war: Wollte sie überhaupt eine Lösung?

Diese beiden Situationen wirken auf den ersten Blick völlig unterschiedlich.
Und doch haben sie denselben Kern.

In beiden Fällen wollte ich reagieren, etwas verbessern, etwas lösen.
Und übersah dabei, dass ich keinen Auftrag dafür bekommen hatte.

Wenn ich über mich selbst nachdenke, fällt mir auf, dass ich oft nur rede, um meine Gedanken zu sortieren. Dafür brauche ich keine Kommentare von außen.
Manchmal möchte ich meine Gefühle aussprechen, ohne dass sie mir abgenommen oder relativiert werden.

Und manchmal wünsche ich mir einfach, dass jemand bei mir sitzt.
Still.
Anwesend.
Und mir damit die Sicherheit gibt, dass ich nicht allein bin.

Was wünschst du dir?

Ein Kommentar zu „Manchmal braucht es keine Lösung, sondern Präsenz“

  1. Avatar von Elisabeth
    Elisabeth

    Manchmal reicht einfach nur eine Umarmung und man weiß, diesen Schritt muss ich jetzt nicht alleine gehen.

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Schön, dass du da bist.

Hier schreibe ich über Gedanken und Erlebnisse aus dem Alltag –
über das, was zwischen den Zeilen liegt.

Über Momente, die uns kurz innehalten lassen.
Über Fragen, die nicht laut sind – aber bleiben.
Und über das, was wir oft spüren, bevor wir es einordnen können.

Als psychosoziale Beraterin begegne ich diesen Themen auch in meiner Arbeit.
Hier bekommen sie Raum – in Worten, die nicht erklären müssen,
sondern zum Weiterdenken einladen.

Zwischen uns gesagt:
Manchmal beginnt Klarheit nicht mit einer Lösung,
sondern mit einem ehrlichen Gedanken.

— die Babsi

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